Neue Gleichstellungsbeauftragte an der TH Lübeck

„… dass Gleichstellungsarbeit einen konstruktiven Beitrag zur Hochschulentwicklung leisten kann…“

Dr. Daphne Reim ist die neue zentrale Gleichstellungsbeauftragte der TH Lübeck. Foto: privat

Dr. Daphne Reim ist seit Anfang März 2021 neue zentrale Gleichstellungsbeauftragte an der Technischen Hochschule (TH) Lübeck. Die promovierte Betriebswirtschaftlerin hat an der Freien Universität (FU) Berlin das Studium der BWL absolviert und in der Folgezeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Drittmittelprojekten am nexus Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung GmbH, an der FU Berlin und Technischen Universität (TU) Berlin sowie als Lehrbeauftragte an der FU Berlin gearbeitet.

Der Norden ist für Daphne Reim keine unbekannte Region. Über das Thema „Diversity und Diversity Management ehrenamtlich engagierter älterer Menschen“ promovierte sie an der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) Hamburg. Vor ihrem Eintritt in die TH Lübeck war sie im Gleichstellungsbüro im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) als Mitarbeiterin beschäftigt.

Zu ihrem Arbeitsbeginn Anfang März 2021 hatte die Hochschulkommunikation (HS-Komm) der TH Lübeck Gelegenheit ein online Gespräch/ Interview mit Dr. Reim zu führen. Darin äußerte sie sich über ihre Vorstellungen zur neuen Aufgabe in Lübeck:

HS-Komm: Wie sollte die Hochschule in 20 Jahren aussehen?

Reim: „In meiner Vorstellung ist die TH Lübeck ein Arbeits-, Studien-, Lern- und Lehrort, an dem Menschen, egal welchen Geschlechts, gern lernen, arbeiten und sich austauschen. Vielfältige Teams wirken gemeinsam an internationalen Forschungsprojekten und haben gute Ideen für Produkte und Dienstleistungen, die sie in die Welt tragen. Die TH Lübeck wird eine national und international noch anerkanntere Hochschule sein.“

HS-Komm: Wo sehen Sie Ihre ersten konkreten Aufgaben in der Hochschule?

Reim: „Ich möchte in den kommenden Monaten viele Angehörige der TH kennenlernen und mich vorstellen. Gerne können Interessierte auch auf mich zukommen. Den Gleichstellungsplan hatte ich im Rahmen des Bewerbungsprozesses bereits gelesen und möchte herausfinden: Was wird davon bereits umgesetzt? Wo steht die TH beim Thema Gleichstellung? Wo sind vielleicht Bedarfe, um das Thema Gleichstellung noch weiter voranzubringen? Während ich die ersten Einblicke bekomme, werde ich zugleich in konkret laufende Prozesse einsteigen. Hierfür freue ich mich auf den Austausch mit den nebenamtlichen Gleichstellungsbeauftragten und dem Gleichstellungsausschuss und weiteren Vertreter:innen der Hochschule. Außerdem erstelle ich einen Jahresplan mit Aktivitäten, die ich angehen werde. Dazu gehört zum Beispiel ein Drittmittelprojekt, das die Gleichstellung stärken soll.
Außerdem habe ich an der Qualifizierungsreihe „Genderkompetenz in der Medizin“ des UKSH mitgearbeitet, die in diesem Jahr online stattfinden wird. Von den sechs Modulen betreue ich weiterhin zwei. Die Teilnahme ist auch für Angehörige der TH Lübeck offen und der Start ist im Mai. Fort- und Weiterbildungsangebote sind sehr wichtig und ich möchte sie auch an der TH weiter etablieren und verfügbar machen.“

HS-Komm: Was bedeutet Gleichstellung für Sie?

Reim: „Gleichstellung mit dem Fokus auf die Hochschule bedeutet für mich, dass Studierende, Lehrende und Beschäftigte unabhängig von ihrem Geschlecht die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten haben, dass bestehende Nachteile abgebaut und Diskriminierungen jeglicher Art entgegen gewirkt wird. Ich bin überzeugt, dass Gleichstellungsarbeit einen konstruktiven Beitrag zur Hochschulentwicklung leisten kann und dass Hochschulen mit realisierter Gleichstellung besser, attraktiver und leistungsfähiger sind.“

HS-Komm: Was können Männer tun?

Reim: „Für mehr Gleichstellung? Ganz viel. Aber nicht nur Männer. Alle können sich für das Thema sensibilisieren. In allem was wir tun, auch in verschiedenen Bereichen wie Lehre und Zusammenarbeit, spielt Gender eine Rolle. Darüber sollte man sich im Klaren sein und reflektieren, ob Gender zum Beispiel einen Einfluss darauf hat, wen ich für ein bestimmtes Projekt auswähle, wen ich mit welcher Aufgabe betraue bzw. was ich wem zutraue. Wie das Thema Gender in die eigene Forschung und Lehre integriert werden kann, finde ich auch ein spannendes Thema, mit dem ich mich noch intensiver auseinandersetzen möchte.“

HS-Komm: Werden Sie sich einmischen?

Reim: „Ich gehe davon aus. Und das an den richtigen Stellen und in der geeigneten Art und Weise.“

HS-Komm: Gleichstellung vs. Diversity: kann man das abgrenzen?

Reim: „Ja, das lässt sich abgrenzen, aber ich sehe es nicht als „versus“. Denn es gibt Schnittstellen. Gleichstellung bezieht sich üblicherweise auf das Geschlecht, also die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern. Diversity meint Vielfalt und Geschlecht ist eines der Vielfaltsmerkmale. Ich selbst beschäftige mich seit meinem Studium mit Diversity (Management). Deshalb ist auch für mich als Gleichstellungsbeauftragte Gender das zentrale Merkmal, aber ich möchte mitberücksichtigen, dass auch weitere Merkmale eine Rolle spielen können. Gender und Migrationshintergrund beispielsweise bieten noch einmal andere Herausforderungen. Die Intersektionalität, also das Ineinanderwirken mehrerer Merkmale mit zu denken, finde ich wichtig.“

HS-Komm: Inwiefern denken Sie, dass Cancel Culture in Ihrer zukünftigen Arbeit eine Rolle spielen wird?

Reim: „Ich muss auf die konkrete Situation schauen. Wenn ich sie erlebt habe, werde ich berichten. Generell ist es ein Spannungsfeld. Gewisse Debatten müssen zugelassen werden, als ein Ort, an dem wir uns austauschen können. Es ist ein Privileg an einer Hochschule zu diskutieren, aber in welchem Rahmen? Der Rahmen ist vom Grundgesetz vorgegeben und bildet eine wichtige Grundlage.“

HS-Komm: Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für die Gleichstellung im 21. Jahrhundert in Deutschland?

Reim: „Mit einer Vorhersage halte ich mich zurück. Aber aktuell, wir sind ja schon 20 Jahre im 21. Jahrhundert, ist Digitalisierung ein Thema. Das ist auch der Schwerpunkt des aktuellen Gleichstellungsberichts der Bundesregierung. Und die Aufwertung bzw. bessere Bezahlung von typischerweise frauendominierten Tätigkeiten, z. B. im Sozial- und Gesundheitsbereich, finde ich auch sehr wichtig.“

 

Pressetext der TH Lübeck